Terrorismus

Nach oben

 

 

 

Der Terrorangriff auf das World Trade Center am 11. September 2001 war ein Schock für die Amerikaner. Noch nie hatten sie Krieg im eigenen Land gehabt, und dies geschah ohne Vorwarnung. Der Druck auf den Präsidenten, diese Provokation zu rächen, war deshalb gewaltig. Das Problem war nur: Der Feind war nicht zu sehen. Trotzdem entschied sich der Präsident für Militäraktionen. Es gab ja Länder, die man schon vorher (aus anderen Gründen) im Visier gehabt hatte. Das Schlagwort war "Krieg gegen den Terrorismus".

Nach den Gründen für den Terrorismus wurde nicht gefragt. Dabei haben sich die USA die Feinde im arabischen Raum mit ihrer Politik selbst geschaffen. Wenn etwa Amerikas Schützling Israel jahrzehntelang das palästinensische Volk auf unzumutbare Weise unterdrückt, dann ist es doch kein Wunder, wenn sich in einer Situation der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung Attentäter finden, die für ihr Volk kämpfen, indem sie unter Einsatz ihres Lebens Tod und Terror ins Land der Besatzungsmacht tragen. Es ist ebenfalls kein Wunder, dass sich in dieser Situation die arabische Welt mit den Unterdrückten solidarisch erklärt und sie nach Kräften unterstützt.

Das Problem des Terrorismus mit militärischen Mitteln lösen zu wollen, ist etwa so aussichtsreich, als wenn man sich gegen einen Wespenstich dadurch wehrt, indem man mit einem Knüppel auf das Wespennest schlägt.

Bilanz des "Krieges gegen den Terror" (Stand 4. März 2005):

Etwa 3.000 Opfer forderte der Angriff auf das World Trade Center.

 

Über 1.500 amerikanische Soldaten verloren ihr Leben im Irak.

Bald 100.000 irakische Zivilisten kamen ums Leben.

 

Wann ist der break-even-point erreicht aus amerikanischer Sicht?

 

Besser gefragt: Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis die Welt wieder so sicher ist wie vorher?

 

* * *

Ein halbes Jahr später – wir sind inzwischen bei über 2.000 toten amerikanischen Soldaten – liegt die Entscheidung nicht mehr beim Präsidenten der USA: Der Knüppel auf dem Wespennest hat Wirkung gezeigt, und der Irak versinkt im Chaos. Aber das amerikanische Volk ist aufgewacht und fordert immer lauter einen Plan für die Beendigung des Krieges im Irak.

Das ist ja nun nicht mehr so einfach. Wenn Bush jetzt meint, der Irak sei mit freien Wahlen kurz vor dem Ziel einer Demokratie und könne in naher Zukunft auch den Terrorismus im Land militärisch in den Griff bekommen, dann zeigt das wieder einmal seinen Realitätsverlust. Nur – inzwischen glauben ihm nicht einmal mehr die Amerikaner.

Wie war das noch mal mit den Gründen für den Krieg? Außer den erlogenen gibt es ja auch noch die reale Forderung, die amerikanischen Erdölvorräte ausbeuten zu können, die fälschlicherweise unter dem irakischen Wüstensand liegen. Aber dafür war der Krieg wohl auch die falsche Methode.

* * *

Es besteht kein moralischer Unterschied zwischen terroristischen Anschlägen und völkerrechtswidrigen Angriffskriegen. (Sir Peter Ustinov)

 

08.02.06

Mehr... Kontakt Ich will hier raus