Organspende

 

 

 

 

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Ich will kein Organ spenden, wenn ich mal tot bin. Abgesehen davon, dass ich über achtzig bin und wahrscheinlich niemand sich ein Ersatzteil mit starken Gebrauchsspuren von mir einbauen lassen will: Wer weiß denn, wann ich tot bin? Genauer gesagt: tot genug, aber nicht ganz. Denn das Organ muss noch leben, nur der Spender soll nichts mehr davon fühlen.

Die Ärzte sagen, dass ist dann, wenn der Hirntod eingetreten ist. Aber bei angeblich Verstorbenen sind nach dem Eintritt des Hirntods noch Lebens-Aktivitäten beobachtet worden. Wer sagt denn auch, dass mit dem Hirntod das Bewusstsein den Körper verlässt? Es gibt schließlich auch ein System der Körperfunktionen, das nicht vom Gehirn gesteuert wird. Woher wollen wir denn wissen, dass zum Beispiel Schmerzsignale das Bewusstsein nach dem Hirntod nicht mehr erreichen? Es ist ja erwiesen, dass das Bewusstsein nicht an das Gehirn gebunden ist, um zu existieren. Denken wir an Nahtod-Erlebnisse, wenn zum Beispiel bei einer lebensbedrohlichen Operation das Bewusstsein den Körper verlässt und von der Zimmerdecke aus die Operation und die Unterhaltung der Ärzte verfolgt. Das Bewusstsein braucht kein funktionierendes Gehirn! Da möchte ich nicht an der Zimmerdecke schweben und zusehen, wie die Ärzte meinen Körper zerlegen!

Außenstehende können also gar nicht wissen, wie tot der Mensch ist, dem ein Organ entnommen werden soll. Da graust es mich schon, wenn ich höre, dass es in Deutschland üblich ist, Organentnahmen aus angeblich Toten ohne Betäubung vorzunehmen.

Aber ein Organ funktioniert nicht mehr, wenn es einem "richtig toten Menschen", also einer Leiche, entnommen worden ist. Deshalb werden für die Organentnahme bewusst lebenserhaltende Maßnahmen durchgeführt, während der Körper eigentlich sterben will. Das heißt, der Körper wird auf der Intensivstation am Leben erhalten und dann für die Entnahme des Organs "abgeschaltet". Ein friedlicher Tod sieht anders aus. Ich möchte mich in aller Ruhe von meinem Körper verabschieden, wenn es so weit ist.

Ich werde niemals zustimmen, dass mir nach meinem Tod ein Organ zur Verpflanzung entnommen werden darf. Das heißt umgekehrt, dass ich niemandem zumuten möchte, für mich ein Organ zu spenden. Gut, ein größeres Ersatzteil habe ich mir einbauen lassen, das ist ein neues Hüftgelenk. Aber dafür hat niemand leiden müssen.

Das Verpflanzen von Organen ist zwar eine großartige medizinische Leistung, aber von der Natur vorgesehen ist es nicht. Wenn sich viele Menschen auch solche Gedanken machen wie ich und sich nicht als Organspender melden, dann sollte man sich fragen, ob dieser Weg überhaupt sinnvoll ist. Muss man wirklich Menschen unter Druck setzen, dass sie am Ende ihres Lebens möglicherweise auf ein friedliches Einschlafen verzichten, damit jemand anders etwas länger leben kann?

(Ich rede hier nicht von Lebendspenden: Wenn jemand für einen nahen Angehörigen zum Beispiel eine Niere spendet, dann hat das meine höchste Anerkennung.)

Dieser Drang, das Leben zu verlängern um jeden Preis, zeigt sich ja auch bei Koma-Patienten, mit denen man nicht mehr kommunizieren kann, die man aber mit Apparaten und Schläuchen am "Leben" erhält und die man damit - vielleicht gegen ihren Willen - in ihrem nicht mehr funktionierenden Körper gefangen hält. Das ist Freiheitsberaubung!

Ich bin der Meinung, wenn dieses Leben dem Ende entgegen geht, dann soll man dem Körper seinen Willen lassen und ihn in Ruhe sterben lassen.

Es kommt ja noch etwas hinzu: Wenn dieses Leben zu Ende ist, dann ist ja nicht Schluss. Das Leben geht ja weiter. Aber anscheinend denken viele Menschen nicht über den Tod hinaus und versuchen, dieses vermeintlich einzige Leben bis zum Rest auszuquetschen. Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber ich bin überzeugt davon, dass wir beim "Tod" hinüber gehen in unsere Heimat, dort unsere Lieben wiedersehen, die uns voran gegangen sind, und dann irgendwann zurück kommen zu einem neuen Leben auf diesem Planeten, wie wir es schon viele Male getan haben.

Wenn das so ist, dann ist es doch vergeudete Zeit, die man hier mit einem schrottreifen Körper vertut, wenn man schon längst auf dem Weg zu einem neuen jungen, gesunden Leben sein könnte.

11.09.2018

 

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