Finanzwesen

 

 

 

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Am Beispiel Finanzwesen ist sehr schön zu sehen, was aus der ursprünglichen Idee geworden ist, dass alle Menschen gleichberechtigt und friedlich zusammen leben und Handel treiben können.

Am Anfang war der Tauschhandel: Wer etwas hatte, was ein anderer nicht hatte, aber gern haben wollte, tauschte von diesem eine Sache oder Dienstleistung ein, die er brauchte. Der "Preis" wurde ausgehandelt, und es herrschte Gleichgewicht zwischen den Handelspartnern.

Aber wenn es um größere Anschaffungen ging, die mit vielen Kamelen bezahlt werden mussten, war der Tauschhandel unhandlich, und deshalb wurde das Geld erfunden. Beim Muschelgeld war es vielleicht die Seltenheit der Muschel, die den Wert ausmachte, bei den späteren Münzen war es die Schwierigkeit, sie zu fälschen, oder es war der reine Materialwert der Goldmünzen.

Kaufen oder verkaufen war mit diesem Geld kein Problem. Schwierig wurde es erst, als mit nicht vorhandenem Geld bezahlt wurde. Wer ein Haus bauen will, aber nicht genug Geld hat, geht zur Bank und schließt einen Vertrag über ein Darlehen ab. Jetzt hat der gute Mann Geld und kann sein Haus bauen. Das Geld, mit dem er baut, gehört aber immer noch der Bank. Der Häuslebauer kann auch Geld weiter verleihen, zum Beispiel an einen Freund, der ein neues Auto braucht. Das ist also eine wunderbare Geldvermehrung. Sie funktioniert so lange, wie jeder seine Gebühren für das geliehene Geld - die Zinsen - bezahlt. Und wenn das mal nicht mehr geht, dann verkauft man eben das Haus. Dumm ist nur, wenn das viele andere auch müssen und die Preise für Immobilien deshalb in den Keller fallen. Dann hat man kein Haus mehr, sondern nur noch Schulden. So begann 2008 in den USA die Bankenkrise.

Das Ziel der Banken in diesem Spiel ist nur eins: Möglichst viel Gewinn machen. Eine Verantwortung für die Kunden ist nicht vorgesehen. (Ich rede hier nicht von Sparkassen und ähnlichen Instituten, die den örtlichen Geschäftsleuten Darlehen geben - wenn sie sich auf ihre lokalen Aufgaben beschränken.)

Die Amerikaner haben im Durchschnitt höhere Schulden als die Europäer; die Kreditkarte macht's möglich. Man kann sogar mal die Schulden von einer Kreditkarte mit einer anderen Kreditkarte bezahlen. Da ist dann wenig Spielraum für unerwartete Ereignisse.

Dieses Leben über die eigenen Verhältnisse ist aber nicht nur das Kennzeichen von kurzsichtigen oder leichtsinnigen Privatleuten; bei den Staatsfinanzen sieht es meistens noch schlimmer aus. Da sind die Politiker schon froh, wenn die "Neuverschuldung" in einem Jahr mal nicht so hoch ist wie im Vorjahr. Dabei ist der Schuldenberg selbstverständlich größer geworden, jedes Jahr!

Nehmen wir einen Vergleich: Ein Staatshaushalt mit ausgeglichener Bilanz entspricht einem Flugzeug im Horizontalflug. Bei einer Neuverschuldung muss Höhe aufgegeben werden; das Flugzeug geht in den Sinkflug über. Bei einer weiteren Neuverschuldung geht es noch steiler abwärts, jedes Jahr! Irgendwann ist die Sinkgeschwindigkeit so hoch, dass es zum Abfangen zu spät ist: der Crash ist da! Beschleunigt wird dieser Absturz noch, wenn die Inflation zunimmt: die Zinslast für die Schulden steigt, und dem Staat bleibt immer weniger Geld für seine eigentlichen Aufgaben.

Ein Blick auf die Euro-Krise: Griechenland hat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt und wird mit vielen Milliarden gestützt. Geld ist ja genug da! Es muss zwar verzinst und irgendwann zurück gezahlt werden, aber das sehen wir dann schon.

Wissen Sie, was Rating Agenturen sind? So etwas wie die Schufa für Konzerne, Banken und Staaten: Sie legen die Kreditwürdigkeit fest, von AAA bis C, wobei AAA uneingeschränkte Kreditwürdigkeit bedeutet und C die Pleite. Entsprechend dem so eingestuften Risiko, das ausgeliehene Geld nicht wieder zu bekommen, steigt der Zinssatz, zu dem der Schuldner - beispielsweise der griechische Staat - Darlehen aufnehmen kann. Das heißt, diese in keiner Weise demokratisch legitimierten Rating Agenturen sind nur ein Werkzeug der Banken zur Gewinnmaximierung. Sie leisten keinen Beitrag zur Rettung eines Schuldenstaates, sondern verschlimmern im Gegenteil die Situation, indem sie die Bemühungen der Politik zunichte machen.

Übrigens denken die Rating Agenturen gerade laut darüber nach, die Einstufung der USA von jetzt noch AAA herunter zu setzen. Grund ist die hohe Staatsverschuldung; größter Gläubiger ist bekanntlich China. Auch kein beruhigender Gedanke, dass China vielleicht irgendwann die gebunkerten amerikanischen Wertpapiere zu Geld machen will.

An der Börse werden Aktien gehandelt, Anteilscheine an großen Firmen. Dabei geht es nicht um den tatsächlichen Wert der jeweiligen Firma, sondern um die Erwartungen, die der Käufer einer Aktie von der wirtschaftlichen Entwicklung hat. Da genügt ein Gerücht, um den Aktienkurs eines Konzern abstürzen zu lassen. Nicht, weil der Wert des Konzerns geringer geworden wäre, sondern weil an dem Gerücht vielleicht etwas dran ist. Ein großer Teil des Börsenhandels wird über Computer abgewickelt wird, ohne dass ein Mensch eingreift. In den USA sind inzwischen Computer im Einsatz, die um Sekundenbruchteile früher als die Konkurrenz die relevanten Börsendaten abgreifen und damit früher bei einem neuen Trend einsteigen können oder - noch raffinierter - einen Trend erzeugen und dann dagegen "wetten". Solche Produkte, bei denen zum Beispiel auf fallende oder steigende Wechselkurse, Rohstoffpreise usw. gewettet wird, disqualifizieren die Börse endgültig zum Glücksspielautomaten.

Das heutige Finanzsystem hat also nichts mit der realen Wirtschaft zu tun, es dient den Beteiligten dazu, maximale Gewinne zu erzielen, es hat kein soziales Gewissen und ist der Politik außer Kontrolle geraten. Es fließen täglich Milliarden in elektronischer Form um den Globus. Aber der normale Käufer oder Verkäufer hat nichts davon - womit wir wieder bei den Kamelen wären. Es wird Zeit, dass dieses System zusammenbricht und wir wieder mit dem Tauschhandel anfangen.

30.07.11

Woher kommt eigentlich das Geld, das die Europäische Zentralbank (EZB) zur Zeit zwecks Ankurbelung der Konjunktur mit niedrigen Zinsen auf den Markt drückt, damit sich Industrie und notleidende Staaten billige Kredite besorgen können? Das druckt die EZB selbst. Es gehört ihr eigentlich nicht, weil es nicht auf Grund einer Wertschöpfung entstanden ist, genau wie es beim Falschgeld der Fall ist. Trotzdem verleiht die EZB dieses Geld und bekommt dafür Anleihen, die einen Anspruch auf reale Werte begründen. Während dieses "künstliche" Geld also echte Gewinne produziert, kann man mit echtem Geld, das mit ehrlicher Arbeit verdient worden ist, kein Vermögen ansparen. Schuld daran sind die niedrigen Zinsen auch für Sparguthaben, die gerade von der Inflation überholt werden. Das System funktioniert nicht mehr.

 13.03.17  

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